Bonitätsprüfung: So überprüft die Bank die Kreditwürdigkeit eines potentiellen Darlehensnehmers!

Eine Bonitätsprüfung zur Feststellung der Kreditwürdigkeit eines potentiellen Kreditnehmers ist immer dann erforderlich, wenn dieser bei einer Bank eine Baufinanzierung zum Erwerb einer Immobilie beantragt. Je nach Ergebnis der Bonitätsprüfung entscheidet die Bank anschließend darüber, ob der Kreditnehmer einen entsprechenden Zuschlag erhält und wenn ja, zu welchen Konditionen sie das Darlehen dabei vergibt. Der nachfolgende Beitrag soll Aufschluss darüber geben, wie eine Bonitätsprüfung allgemein abläuft, wie man diese beeinflussen kann und was dabei grundsätzlich überprüft wird.

Bonitätsprüfung: So überprüft die Bank ihre Kreditwürdigkeit!
Die Schufa ist die von Banken am meist angefragteste Wirtschaftsauskunft bei der Bonitätsprüfung von Darlehensnehmern.

Was versteht man unter Bonität?

Unter Bonität (auch Kreditwürdigkeit genannt) versteht man die Fähigkeit und die Bereitschaft eines Kreditnehmers, seinen zukünftigen Zahlungsverbindlichkeiten fristgerecht und vollständig nachzukommen. Erweist sich der Darlehensnehmer als zahlungsfähig und -willig, erhält er im Regelfall auch eine gute Bonität.

Anhand von sogenannten Bonitätscores können Banken dabei einheitlich ermitteln, wie es um die Kreditwürdigkeit eines Darlehensbewerbers steht. Je höher der Scorewert dabei ist, umso besser ist auch die entsprechende Bonität. Banken haben dabei grundsätzlich mehrere Möglichkeiten, sich bei entsprechenden Dienstleistern (z.B. SCHUFA) über den jeweiligen Kunden und dessen allgemeine Zahlungsmoral zu informieren.

Was wird bei einer Bonitätsprüfung überprüft?

Eine Bonitätsprüfung umfasst immer die Prüfung der Kreditfähigkeit und der Kreditwürdigkeit eines potentiellen Darlehensnehmers.

Kreditfähigkeit

Kreditfähig sind grundsätzlich alle Personen, die einen Kreditvertrag rechtswirksam abschließen können. Denn nur so kann gewährleistet werden, dass dabei auch gegenseitige Verpflichtungen hervorgehen können. Ist ein Vertrag jedoch nichtig, können dabei keine wechselseitigen Ansprüche entstehen. Banken haben dann keinen Anspruch auf entsprechende Zinszahlungen und Kreditnehmer haben keinen Anspruch auf die vereinbarte Darlehenssumme.

Sind jedoch bereits gegenseitige Leistungen erbracht wurden und es stellt sich später heraus, dass eine Kreditfähigkeit des Darlehensnehmers nicht bestand, sind die erbrachten Leistungen dabei in aller Regel rückabzuwickeln. Banken haben zusätzlich Anspruch auf Schadensersatz, wenn sich herausstellt, dass der Kreditnehmer bei der Bonitätsprüfung nur vorgegeben hat, kreditfähig zu sein. Die Kreditfähigkeit ist dabei prinzipiell an die Geschäftsfähigkeit der Vertragspartner gebunden. Wann ein Vertragspartner jedoch geschäftsfähig ist, ist dabei unterschiedlich geregelt.

Kreditfähigkeit natürlicher Personen

Eine Geschäftsfähigkeit besteht bei einer natürlichen Person grundsätzlich immer dann, wenn diese volljährig ist. Ausnahmen bilden dabei nur bei Personen, die zum Beispiel aufgrund einer Störung der Geistestätigkeit nicht ausreichend handlungsfähig sind. Aber auch Minderjährige können in Ausnahmefällen als kreditfähig gelten. Voraussetzung ist dabei jedoch immer, dass diese die Einwilligung ihrer Eltern und eine Genehmigung des zuständigen Familiengerichts vorlegen können.

Kreditfähigkeit juristischer Personen

Aktiengesellschaften oder Vereine können als juristische Person grundsätzlich nicht selber handeln und müssen dabei durch natürliche Personen vertreten werden. Bei privatrechtlich organisierten Unternehmen sind beispielsweise Prokuristen vertretungsberechtigt und können entsprechende Kreditverträge rechtskräftig unterzeichnen.

Kreditfähigkeit von Personengemeinschaften

Bei einer Personengemeinschaft handelt es sich beispielsweise um eine Erbengemeinschaft, in welcher grundsätzlich alle Personen einen Kreditvertrag gemeinschaftlich abschließen müssen. Bei dieser Variante haften zusätzlich alle beteiligten Personen gleichwertig als Gesamtschuldner.

Kreditwürdigkeit

Die Kreditfähigkeit eines Darlehensnehmers ist Grundvoraussetzung für den Abschluss eines rechtsgültigen Kreditvertrags. Die Kreditwürdigkeit hingegen ist im Grunde keine Voraussetzung dafür, dass ein Darlehensvertrag rechtswirksam entstehen kann. Banken unterliegen dennoch einer gesetzlichen Prüfpflicht der Kreditwürdigkeit.

Denn: Nur so kann sichergestellt werden, dass die Kreditwirtschaft auch insgesamt funktioniert. Zusätzlich dient die Prüfung der Kreditwürdigkeit im Zuge der Bonitätsprüfung auch immer dem Schutz des Verbrauchers. Vergeben Bank nämlich ein Darlehen leichtfertig, ist die Wahrscheinlichkeit dabei hoch, dass der Darlehensnehmer seine Raten irgendwann nicht mehr begleichen kann und in eine Zahlungsunfähigkeit geriet.

Die Kreditwürdigkeit ist im Regelfall gleichbedeutend zur Bonität. Eine Bonitätsprüfung ist für die Vergabe eins Kredits nach dem Gesetz grundsätzlich immer erforderlich. Kreditgeber haben dabei die Pflicht, dem Darlehensnehmer zur Bonitätsprüfung alle notwendigen Unterlagen vorzulegen. Ist das nicht der Fall, ist der Abschluss eines Kreditvertrags gesetzlich nicht möglich. Auch wenn erforderliche Unterlagen im Nachgang nicht nachgereicht werden, ist ein bereits bestehender Kreditvertrag nicht rechtsgültig.

Banken haben bei der Bonitätsprüfung eines Darlehensnehmers jedoch im Regelfall immer einen gewissen Spielraum. Es kommt daher oft vor, dass Kreditnehmer bei der ersten Bank zuerst eine Absage erhalten und die nächste Bank das entsprechende Darlehen unter den gleichen Voraussetzungen gewährt. Ist eine Bonitätsprüfung nach den Vergaberichtlinien erfolgt, entscheidet letztlich das Ergebnis darüber, ob die angefragte Bank den entsprechenden Kredit gewährt und zu welchen Konditionen sie ihn dabei letztlich vergibt.

Bei einer Bonitätsprüfung unterscheiden Banken prinzipiell zwischen der materiellen und wirtschaftlichen und der persönlichen und subjektiven Kreditwürdigkeit. Die materielle und wirtschaftliche Bonitätsprüfung beurteilt dabei die finanzielle Leistungsfähigkeit des Darlehensnehmers, den angefragten Kredit mit den entsprechenden Konditionen fristgerecht und vollständig zurückführen zu können. Die persönliche und subjektive Bonitätsprüfung ermittelt hingegen die allgemeine Zuverlässigkeit des Kreditnehmers bei der Erfüllung und Rückführung von Verbindlichkeiten.

Daten zur materiellen Bonitätsprüfung:
  • Regelmäßige Einkünfte bzw. Gehaltsabrechnungen (z.B. aus Beruf, Selbständigkeit oder Vermietung),
  • Vermögensverhältnisse (z.B. Firmeninhaber oder Besitzer von Immobilien und Aktien),
  • Bestehende Verbindlichkeiten (z.B. Autokredit oder weitere Immobiliendarlehen),
  • Überprüfung einer eventuell früheren Insolvenz,
  • Familienverhältnisse (z.B. ledig oder verheiratet),
  • Wohnverhältnisse (z.B. zur Miete oder Eigentum),
  • Haushaltskosten (z.B. Nebenkosten, Auto oder Versicherungen)
  • Gewinn- und Verlustrechnung (bei Selbständigen)
Daten zur persönlichen Bonitätsprüfung:
  • Informationen von Wirtschaftsauskünften (z.B. SCHUFA oder Bürgel) zur Erfüllungswahrscheinlichkeit des Kreditnehmers, seinen Verbindlichkeiten nachzukommen

Welche Kriterien können eine Bonitätsprüfung beeinflussen?

Eine Bonitätsprüfung wird im Grunde benötigt, um einen Darlehensnehmer im Bezug auf seine Zahlungsfähigkeit und -moral besser einordnen zu können. Von diesem Ergebnis hängt dann ab, ob und zu welchen Konditionen der entsprechende Kredit letztlich genehmigt werden kann. Denn: Je negativer das Ergebnis einer Bonitätsprüfung ist, desto höher ist auch das entsprechende Risiko der Bank, den Kredit nicht vollständig zurückgeführt zu bekommen.

Zu den bereits oben genannten Daten zur materiellen Bonitätsprüfung, können jedoch auch andere Faktoren eine wichtige Rolle bei der Kreditvergabe spielen. Darunter zählt zum Beispiel der Wohnort des Darlehensnehmers. Hat dieser seinen Wohnsitz z.B. in einer Gegend, die von überwiegend finanziell starken Menschen bewohnt wird und zusätzlich eine geringe Arbeitslosigkeit aufweist, kann sich das positiv auf die entsprechende Bonität auswirken.

Das sogenannte „Geoscoring“ ist jedoch teilweise stark umstritten. Denn: Kreditnehmer, die in einer eher finanzschwachen Region wohnen, jedoch trotzdem finanziell stark aufgestellt sind, können durch diesen Faktor letztlich ungerechtfertigt benachteiligt werden.

Wie kann der Darlehensnehmer seine Bonitätsprüfung beeinflussen?

Potentielle Darlehensnehmer haben grundsätzlich immer die Möglichkeit, sich eine entsprechende Bonitätsprüfung vorab eigenständig bei einer Wirtschaftsauskunft ausstellen zu lassen. So können sie sich bereits vor der Anfrage bei der Bank schon einen Überblick verschaffen und dabei falsche Einträge gegebenenfalls korrigieren lassen.

Eine weitere Möglichkeit zur Aufbesserung der Bonität besteht darin, alle ungenutzten Konten und Kreditkarten zu kündigen. Zusätzlich sollten Darlehensnehmer auch versuchen, alle bestehenden Kredite möglichst zusammenzufassen. So werden am Ende viele kleine Verbindlichkeiten zu nur einer großen Verbindlichkeit zusammengeschlossen, was auf dem ersten Blick von der Bank entsprechend positiver gewertet wird.

Welche Rolle spielen die Wirtschaftsauskünfte bei der Bonitätsprüfung und was besagt der sogenannte Score-Wert?

Wirtschaftsauskünfte sind ein zentrales Mittel bei der Bonitätsprüfung. Sie geben den Banken Auskunft darüber, wie es um die Zahlungsmoral des potentiellen Darlehensnehmers steht. Informationen zu eventuellen Rücklastschriften oder Mahnbescheiden können der Bank dabei einen ersten Indiz darauf geben, ob eine tendenziell gute oder schlechte persönliche Bonität des Darlehensnehmers besteht.

Die meist angefragten Wirtschaftsauskünfte sind dabei die Schufa, Bürgel Wirtschaftsinformationen oder Deltavista. Die Quellen auf die sich eine Auskunftei dabei beruft, sind häufig sehr unterschiedlich. Jede Person, der bei einer entsprechenden Wirtschaftsauskunft gelistet ist, bekommt von ihr einen eigenen Score-Wert (0-100), der den Banken dabei als Hauptindikator für die entsprechende Bonitätsprüfung dient.

Der Score-Wert sagt dabei aus, wie wahrscheinlich es ist, dass der Darlehensnehmer seinen Kredit vertragsgemäß zurückführt. Beträgt der Score-Wert eines potentiellen Darlehensnehmers beispielsweise 85 Prozent, bedeutet das, dass 85 Prozent der betrachteten Vergleichspersonen ihren kreditvertraglichen Verpflichtungen planmäßig nachkommen.

Kredit trotz negativer Schufa, geht das?

Um einen negativen Eintrag in der Schufa zu bekommen, muss im Regelfall immer erst ein gerichtliches Mahnverfahren eingeleitet wurden sein oder bereits ein entsprechender Vollstreckungsbescheid bestehen. Ist jedoch erst einmal ein Negativeintrag vorhanden, ist es in aller Regel schwierig, den Zuschlag für einen Kredit zu bekommen. Nur in Ausnahmefällen (z.B. hohes Einkommen mit ausreichend Sicherheiten), gewährt eine Bank Darlehensnehmern trotz negativer Schufa ein Darlehen.

Hinweis:

Unberechtigte Negativeinträge in der Schufa können auf Antrag jederzeit gelöscht werden. Wird jedoch kein Antrag zur Löschung gestellt, dauert es drei Jahre, bis die Schufa den Eintrag aus gesetzlichen Gründen eigenständig löscht.

Können mehrere Kreditanfragen die Bonitätsprüfung negativ beeinflussen?

Um verschiedene Angebote miteinander vergleichen zu können, ist es oft üblich, dass sich potentielle Darlehensnehmer mit ihrer Kreditanfrage dabei an mehrere Banken gleichzeitig wenden. Diese Herangehensweise kann sich in Einzelfällen jedoch negativ auf die Bonitätsprüfung auswirken. Denn: Banken stellen häufig anstatt einer Konditionsanfrage eine Kreditanfrage.

Kreditanfragen bleiben im Gegensatz zu einer Konditionsanfrage jedoch ein Jahr in der Schufa gespeichert, was sich letztlich negativ auf den entsprechenden Score-Wert auswirkt. Banken werten mehrere Kreditanfragen grundsätzlich als negativ, da der Kunde in diesem Fall von anderen Kreditgebern als nicht kreditfähig eingeordnet wurde.

Wie viel Bonität benötigt es, um einen Kredit zu erhalten?

Ob Banken einen Kredit vergeben, hängt im Regelfall nicht nur von einer positiven Bonitätsprüfung ab. Auch die Immobilie, die letztlich von diesem Kredit finanziert werden soll, ist dabei ein entscheidender Faktor. Dabei spielen vor allem der entsprechende Verkehrswert und der daraus resultierende Beleihungswert der Immobilie eine grundlegende Rolle.

Der Beleihungswert bezeichnet dabei die Summe, die eine Bank im Falle einer Zwangsversteigerung für die Immobilie bekommen würde. Denn die Immobilie dient dem Kreditgeber grundsätzlich auch immer als Sicherheit. Aus diesem Grund ermitteln Banken durch verschiedene Verfahren (Ertragswertverfahren, Sachwertverfahren, Vergleichswertverfahren) immer erst den marktüblichen Wert der entsprechenden Immobilie.

Mithilfe dieses Wertes wird anschließend die Kreditsumme für die Baufinanzierung berechnet, die die Bank bereit ist, dem Darlehensnehmer zur Verfügung zu stellen. Der Beleihungswert entspricht dabei jedoch nicht dem Kaufpreis oder den Herstellungskosten der entsprechenden Immobilie. Im Regelfall wird vom aktuellen Immobilienwert grundsätzlich noch ein entsprechender Sicherheitsabschlag abgezogen.

Aus diesem Grund ist der Beleihungswert auch immer niedriger als der Kaufpreis. Nach dem Gesetz darf ein Beleihungswert auch nie über dem Kaufpreis der Immobilie liegen. Die Banken rechnen für den Beleihungswert im Regelfall mit ca. 70 bis 90 Prozent des jeweiligen Kaufpreises. Das ergibt bei einem Verkehrswert von z.B. 200.00 Euro einen Beleihungswert von 140.000 bis 180.000 Euro. Die Differenz zum Verkehrswert muss der Darlehensnehmer dabei im Regelfall selbst in Form von Eigenkapital aufbringen können.

Kreditnehmer haben grundsätzlich immer dann gute Chancen auf einen Kredit und eine positive Bonitätsprüfung, wenn:
  • Die Differenz aus Beleihungswert und Verkehrswert durch entsprechendes Eigenkapital finanziert werden kann.
  • Wirtschaftsauskünfte keine negativen Merkmale und Auffälligkeiten aufzeigen.
  • Ein regelmäßiges und nachhaltiges Einkommen besteht.
  • Nach allen Verbindlichkeiten und Haushaltskosten die monatliche Rate für ein Annuitätendarlehen beglichen werden kann.
  • Der Kreditnehmer über verschiedene Vermögenswerte verfügt, die als zusätzliche Sicherheit bei einer Zahlungsunfähigkeit mit eingebracht werden können.

Ein besserer Zinssatz durch einen besseren Score-Wert bei der Bonitätsprüfung?

Banken richten ihr Zinsangebot grundsätzlich immer danach, wie hoch der entsprechende Score-Wert des Darlehensnehmers bei der Bonitätsprüfung ausfällt. Je höher dieser Wert letztlich ist, desto besser fällt in aller Regel auch der angebotene Zinssatz aus. Wie stark sich der Score-Wert dabei jedoch auf die Höhe des Zinssatzes auswirkt, kann an dieser Stelle nicht pauschal beantwortet werden.

Jede Bank besitzt im Regelfall ein individuelles Verfahren mit eigenen Richtlinien zur Einordnung des entsprechenden Score-Wertes. Oftmals werden die Zinssätze dabei auch nach einem bestimmten Schema berechnet. Zum Beispiel: Ein Score-Wert von 85-90 Prozent kann bedeuten, dass die Bonität des Darlehensnehmers gerade noch vertretbar ist und der Kredit demzufolge mit beispielsweise 0,3 Prozentpunkten für das entsprechende Risiko zu beaufschlagen ist.

Was kostet das Einholen einer Bonitätsprüfung bei einer Wirtschaftsauskunft?

Jede Wirtschaftsauskunft ist gesetzlich dazu verpflichtet, einmal jährliche eine entsprechende Auskunft kostenfrei zu erteilen. Anderenfalls zahlt man z.B. für eine Online-Auskunft bei der Schufa ca. 20 Euro.

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